Zoonosen und internationaler Tierhandel: Eine unterschätzte globale Gefahr

Lina Becher

Ein Virus springt von einem Tier auf einen Menschen über, zunächst unbemerkt. Wenige Wochen später verbreitet sich die Krankheit über Ländergrenzen hinweg. Viele globale Gesundheitskrisen beginnen genauso. Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragen werden können, werden als Zoonosen bezeichnet und zählen zu den größten Herausforderungen für die weltweite Gesundheit. Ob durch unzureichende Hygiene in der Küche, den Kontakt mit Wildtieren oder den internationalen Handel mit Nutztieren Zoonosen begegnen uns in vielen Lebensbereichen. Ihre Auswirkungen reichen von vereinzelten Krankheitsfällen bis hin zu weltweiten Gesundheitskrisen mit massiven gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen.

Zoonosen machen laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation bis zu zwei Drittel aller menschlichen Infektionskrankheiten aus. Die möglichen Erreger sind sehr unterschiedlich. Dazu gehören Bakterien wie Salmonellen, Viren wie HIV und SARS-CoV-2, Parasiten wie der Fuchsbandwurm sowie sogenannte Prionen. Diese Krankheiten wie die Bovine Spongiforme Enzephalopathie (BSE) auslösen. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung des Nervensystems bei Rindern, die auch als „Rinderwahnsinn“ bekannt ist und in seltenen Fällen auch auf den Menschen übertragen werden kann.

Die Übertragung solcher Krankheiten kann auf unterschiedlichen Wegen übertragen werden. Sie können unter anderem durch den Verzehr von infiziertem Fleisch, Körperflüssigkeiten oder durch den Kontakt zwischen Mensch und Tier übertragen werden. Besonders die Vielzahl an unterschiedlichen Übertragungswegen macht es schwierig, Zoonosen frühzeitig zu erkennen oder wirksam zu bekämpfen. Besonders gefährdet sind Menschen mit häufigem und engem Kontakt zu Tieren.

Ein wichtiger Risikofaktor für die Verbreitung solcher Krankheiten ist der internationale Tierhandel. Tiere werden dabei über Länder- und Kontinentalgrenzen hinweg transportiert und kommen häufig mit anderen Tierarten in Kontakt. Unter beengten Transportbedingungen und bei unzureichenden Hygienestandards können sich die Krankheitserreger leichter verbreiten und neue Regionen erreichen. Besonders problematisch ist der Handel mit Wildtieren, da hierbei  verschiedene Tierarten auf engem Raum zusammenkommen und Krankheitserreger leichter zwischen ihnen übertragen werden können. Doch auch der legale Handel birgt Risiken. Laut Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen wurden im Jahr 2023 fast zwei Milliarden Nutztiere international gehandelt, wobei der größte Anteil auf Europa entfiel. Ohne konsequente Hygiene- und Kontrollstandards kann selbst dieser regulierte Handel zur Verbreitung von Zoonosen beitragen

Auf internationaler Ebene existieren bereits Ansätze zur Regulierung. Ein Beispiel ist das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES), das den Handel mit gefährdeten Tierarten einschränken und kontrollieren soll. Allerdings weist das Abkommen deutliche Schwächen auf. So wird die Liste geschützter Arten von den Vertragsstaaten selbst festgelegt und umfasst nur einen Bruchteil der tatsächlich gehandelten Wildtiere. Zwar sind heute die meisten Staaten der Welt Vertragsparteien, doch einige Gebiete wie die Färöer-Inseln gehören nicht zu den offiziellen Vertragsstaaten. 

Auch internationale Organisationen befassen sich zunehmend mit diesem Problem. Die Vereinten Nationen haben anerkannt, dass besonders der illegale Wildtierhandel zur Entstehung und Verbreitung zoonotischer Krankheiten beitragen kann. Gleichzeitig gewinnt der sogenannte One-Health-Ansatz an Bedeutung. Dieser betrachtet die Gesundheit von Menschen, Tieren und der Umwelt als eng miteinander verbunden. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören strengere Kontrollen beim internationalen Tierhandel, bessere Überwachung von Tierkrankheiten sowie eine intensivere Bekämpfung des illegalen Wildtierhandels. Auch der internationale Austausch von Daten kann helfen, Ausbrüche früher zu erkennen.

Die Regulierung des internationalen Tierhandels bleibt deshalb eine zentrale Herausforderung der globalen Gesundheitspolitik. In einer vernetzten Welt können sich Krankheitserreger schnell über Kontinente verbreiten. Internationale Zusammenarbeit und wirksame Kontrollen sind daher entscheidend, um zukünftige Ausbrüche zu verhindern. Auch einzelne Menschen können dazu beitragen, das Risiko zu verringern. Wer sich ein Haustier anschaffen möchte, sollte darauf achten, dass das Tier aus verantwortungsvoller Zucht oder aus einem Tierheim stammt und nicht aus illegalem Handel. Ebenso kann der Verzicht auf Produkte aus Wildtieren helfen, den problematischen Teil des Tierhandels zu reduzieren.

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