Zerstörung einer unbekannten Welt
Mia Gasiorowski
Eine dem Menschen noch unbekannte Welt wird zerstört, bevor sie jemals richtig entdeckt werden konnte. In bis zu 11.000 Metern Tiefe, weit entfernt von den Kontinenten in den tiefen Bereichen von Pazifik, Atlantik und Indik, macht die Tiefsee rund 95 % des gesamten Meeresvolumens aus und trägt mit Recht den Titel „unbekannte Welt“. Ihr Ökosystem ist weniger erforscht als die Mondoberfläche und sie beherbergt mehrere tausend unerforschte Spezies. Doch ihre noch ungelösten Geheimnisse sind bedroht. Der Tiefseebergbau, eines der umstrittensten internationalen Themen unserer Zeit, droht diese Welt zu verwüsten. Doch warum wird die Tiefsee überhaupt bedroht?
Der Mensch verbraucht immer mehr Rohstoffe, weshalb nun verstärkt nach neuen Ressourcenquellen gesucht wird. Dabei rückt die Tiefsee schnell in den Fokus, da der Abbau ihrer seltenen Metalle besonders attraktiv erscheint.
Die Frage, ob diese Idee umgesetzt werden soll, spaltet die Staaten. Besonders stark vertreten ist die Contra-Seite. Sie betont, wie unklar die Auswirkungen des Bergbaus auf die sensiblen Lebensräume und die Artenvielfalt tatsächlich sind.
Allein im vergangenen Jahr wurden über 5.000 neue Spezies in der Tiefsee entdeckt. Viele könnten ausgelöscht werden, bevor sie überhaupt vollständig erforscht wurden. Zudem hätte der Tiefseebergbau auch Folgen für den Menschen selbst. Zum einen könnten lokale Gemeinschaften geschädigt werden. Zum anderen ist die Tiefsee die größte Kohlenstoffsenke unseres Planeten und damit entscheidend für die Bewältigung der Klimakrise.
Die Kritikpunkte zeigen sich besonders am Hauptziel des Mineralabbaus: der Mangan-Knolle. Diese runden Gebilde enthalten verschiedenste wertvolle Mineralien. Für den Menschen sind diese Rohstoffe zwar wirtschaftlich sehr interessant, jedoch bringt die Mangan-Knolle auch gesundheitliche Risiken mit sich. Sie weist eine hohe natürliche Radioaktivität auf, die die deutschen Strahlenschutzvorgaben teilweise um ein Vielfaches überschreiten kann. Somit stellt sie eine potenzielle Gefahr dar. Zusätzlich dient sie zahlreichen Organismen als Lebensraum, weshalb ihre Zerstörung zum jahrzehntelangen Verlust vieler Arten führen kann.
Mittlerweile sprechen sich über 30 Staaten gegen einen ungeregelten Tiefseebergbau aus. Darunter Länder wie Deutschland, Frankreich und Chile. Sie alle fordern eine Pause. Sie argumentieren, dass das hohe Risiko nur durch weitere Forschung und ein verbindliches Schutzregelwerk reduziert werden kann. Aber nicht nur Staaten sondern auch große Unternehmen wie BMW, Samsung und Google unterstützen diese Seite. Diese und noch weiter Betriebe haben sich sogar dazu verpflichtet keine Tiefsee-Metalle zu verwenden und vorden eben so wie andere Vertreter der Contra-Seite eine Pause des Bergbaus.
Trotz der international stark vertretenen Gegenargumente gibt es auch Staaten, die den Tiefseebergbau fördern wollen. Vor allem wirtschaftliche Interessen und der mögliche Profit aus dem Mineralabbau stehen hier im Vordergrund. Besonders Norwegen, das bereits im arktischen Meer Bergbau betreiben möchte, setzt sich dafür ein. Auch die USA unterstützen entsprechende Vorhaben. Neben diesen Ländern sprechen sich außerdem China, Italien und Saudi-Arabien für den Tiefseebergbau aus.
Diese internationale Spaltung führt zu großem Druck. Besonders betroffen ist die Internationale Meeresbodenbehörde (ISA), die für die Regulierung des Tiefseebergbaus in internationalen Gewässern verantwortlich ist. Doch die Ausarbeitung klarer Regeln gestaltet sich schwierig und langwierig. Seit Jahren wird diskutiert, während der Druck und die internationalen Spannungen weiter zunehmen.
Die ISA hat bereits einige Regelungen festgelegt, darunter vorläufige Umweltleitlinien sowie Explorationsverträge. Dennoch sind noch über 30 wichtige Punkte ungeklärt, weshalb bisher kein endgültiges Regelwerk beschlossen werden konnte. Die letzte ISA-Generalversammlung, die im vergangenen Jahr stattgefunden hat, kam somit ebenfalls zu keinem Ergebnis. Vor allem erhielt der Tiefseebergbau Kritik von Seiten der EU, wobei Frankreich zu den stärksten Kritikern gehörte. Ein klarer Befürworter des Tiefseebergbaus waren die USA. Diese Uneinigkeit bedeutet jedoch auch kein klares Nein für den Bergbau, was zu Herausforderungen führt. Zur selben Zeit gab Trump nämlich auch den Tiefseebergbau für US-Firmen frei.
Voraussichtlich wird ein offizielles Regelwerk noch Zeit in Anspruch nehmen. Währenddessen steigen die Spannungen zwischen den beiden Seiten weiter an und die Bedrohung für diese dem Menschen noch weitgehend unbekannte Welt wächst.