Menschen weltweit sind Opfer
Sara Hermiz
Jeder Atemzug, den wir nehmen, hält uns am Leben. Doch derselbe Atemzug kann uns auch langsam krank machen. Weltweit werden Menschen Opfer eines stillen Killers, der mehr Leben fordert, als vielen eigentlich bewusst ist: Luftverschmutzung.
Was wir nicht sehen können, atmen wir dennoch ein, jeden Tag, jede Stunde. Und während sich viele Gesundheitsrisiken erst nach Jahren bemerkbar machen, wirkt verschmutzte Luft oft schleichend und unsichtbar. Sie ist nicht laut, sie ist nicht spektakulär, sie kündigt sich nicht mit Sirenen an. Sie ist einfach da, in der Luft, die wir täglich einatmen. Beim Sport, in der Schule, die Verschmutzung versteckt sich in vielen Aspekten unseres Lebens. Selbst in unserem Körper.
Atmen mit Nebenwirkung
Nach Schätzungen der World Health Organization sterben jedes Jahr rund sieben Millionen Menschen an den Folgen verschmutzter Luft. Damit gehört Luftverschmutzung heute zu den größten Umwelt- und Gesundheitsrisiken weltweit und doch wird sie häufig unterschätzt.
Die gesundheitlichen Folgen schlechter Luftqualität sind vielschichtig und oft unterschätzt. Feinstaubpartikel setzen sich tief in den Atemwegen fest und lösen dort Entzündungsreaktionen aus. Der Körper versucht, die fremden Partikel zu bekämpfen, doch diese Abwehrreaktionen können selbst Schäden verursachen. Langfristig kann verschmutzte Luft das Immunsystem schwächen und chronische Krankheiten begünstigen. Atemwegserkrankungen nehmen zu, Asthma verschlimmert sich und die Lungenfunktion kann dauerhaft beeinträchtigt werden. Doch die Auswirkungen beschränken sich längst nicht mehr nur auf die Lunge.Medizinische Studien zeigen immer deutlicher, dass Luftverschmutzung auch das Herz-Kreislauf-System belastet. Feinstaub kann Entzündungsprozesse im Blut verstärken, Blutgefäße schädigen und so das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erhöhen. Selbst neurologische Erkrankungen werden inzwischen mit langfristiger Belastung durch Schadstoffe in Verbindung gebracht.
Hierbei sind insbesondere Kinder gefährdet. Ihre Lungen befinden sich noch in der Entwicklung, und sie atmen im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht mehr Luft ein als Erwachsene. Auch ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen reagieren empfindlicher auf schlechte Luftqualität.
Doch nicht nur Menschen sind betroffen. Auch Tiere und Pflanzen leiden unter verschmutzter Luft. Schadstoffe können Blätter schädigen, das Wachstum von Pflanzen verlangsamen und ganze Ökosysteme aus dem Gleichgewicht bringen.
Der Klimawandel treibt einen Teufelskreis der schlechten Luftqualität an
Luftverschmutzung ist kein einzelner Stoff, kein klar identifizierbarer Feind. Sie ist ein komplexes Gemisch aus unterschiedlichsten Partikeln und Gasen. Forschende haben inzwischen hunderte Bestandteile identifiziert, darunter feste Partikel, feine Flüssigkeitströpfchen und verschiedenste chemische Gase.
Ein Teil dieser Stoffe entsteht auf natürliche Weise. Wüstenstürme tragen Staub über ganze Kontinente, Pflanzen setzen Pollen frei, und selbst Vulkane schleudern Partikel in die Atmosphäre. Doch der Großteil der heutigen Luftverschmutzung ist menschengemacht. Die industrielle Verbrennung von Kohle, Erdöl und Gas hat die Zusammensetzung unserer Atmosphäre drastisch verändert. Das ist ein Prozess den wir aus der Schule kennen, der natürliche Kreislauf. Doch was wenn dieser durch Menschenhand gestört wird?
Die Störfakotren stecken in unserem Alltag: im Verkehr auf den Straßen, in den Heizungen unserer Häuser, in Fabriken, Kraftwerken und nicht zuletzt auch in der Landwirtschaft. Selbst eine einzelne Zigarette setzt giftige Stoffe frei, die in die Umgebungsluft gelangen. Manches davon lässt sich sehen. Rauchschwaden über einer Stadt sind ein offensichtliches Warnsignal. Doch viele der gefährlichsten Stoffe bleiben unsichtbar. Kohlenmonoxid etwa ist geruchlos und farblos. Stickoxide entstehen vor allem in Motoren und Kraftwerken und reagieren in der Atmosphäre zu neuen Schadstoffen. Besonders tückisch ist jedoch der sogenannte Feinstaub. Diese mikroskopisch kleinen Partikel sind so winzig, dass sie beim Einatmen tief in die Lunge gelangen. Dort bleiben sie nicht immer stehen. Einige von ihnen können sogar in den Blutkreislauf eindringen und sich im gesamten Körper verteilen. Chemische Schadstoffe wie Stickstoffdioxid, Ozon oder Schwefeldioxid greifen dabei nicht nur die Atemwege an. Sie reizen Schleimhäute, fördern Entzündungen im Körper und können langfristig schwere Krankheiten begünstigen. Die Luft, die uns eigentlich mit Sauerstoff versorgen soll, wird so langsam zu einem Risiko für die Gesundheit.
Wenn schlechte Luft richtig teuer wird
Luftverschmutzung wirkt nicht nur auf die Gesundheit, sondern auch auf Umwelt und Wirtschaft. Wenn Schadstoffe in der Atmosphäre chemisch reagieren, können sie sogenannten sauren Regen bilden. Dieser gelangt mit Niederschlägen auf Böden und in Gewässer, verändert deren chemische Zusammensetzung und kann Wälder langfristig schädigen.Auch landwirtschaftliche Erträge leiden unter schlechter Luftqualität. Ozon in Bodennähe wirkt auf viele Pflanzen wie ein Gift. Es dringt in Blätter ein, stört den Stoffwechsel der Pflanzen und kann Ernten deutlich verringern. Die wirtschaftlichen Folgen sind enorm. Laut Schätzungen der World Bank verursachen die gesundheitlichen Folgen von Luftverschmutzung weltweit Kosten in Höhe von mehr als acht Billionen US-Dollar pro Jahr. Das entspricht etwa sechs Prozent der globalen Wirtschaftsleistung.
Brennpunkte der verschmutzten Luft
Besonders dramatisch ist die Situation in vielen Megastädten der Welt. In Metropolen wie Mexiko Cizy oder New Dehli erreichen Schadstoffwerte regelmäßig kritische Höhen.
Dichte Bebauung, Millionen von Fahrzeugen und industrielle Emissionen sorgen dafür, dass sich Schadstoffe in der Luft anreichern. Wenn dann noch Wetterlagen mit wenig Wind hinzukommen, bleibt die verschmutzte Luft regelrecht über den Städten hängen. Smog wird zum Alltag.
Doch auch Europa ist von diesem Problem nicht vollständig verschont geblieben.
Vorschriften in Deutschland und ihre Grenzen
In Deutschland gelten gesetzliche Grenzwerte für Luftschadstoffe. Messstationen überwachen regelmäßig die Belastung der Luft, um sicherzustellen, dass diese Werte eingehalten werden. Trotzdem kommt es vor allem in Städten und an stark befahrenen Straßen immer wieder zu Überschreitungen. Besonders Stickstoffdioxid aus dem Straßenverkehr ist in vielen urbanen Regionen ein anhaltendes Problem. Zudem weisen viele Wissenschaftler*innen darauf hin, dass selbst die aktuell geltenden Grenzwerte nicht unbedingt ausreichend sind, um langfristige Gesundheitsschäden vollständig zu verhindern. Die World Health Organization veröffentlichte deshalb im Jahr 2021 neue, deutlich strengere Empfehlungen für Luftschadstoffe. Viele Staaten liegen jedoch noch immer weit über diesen Richtwerten.
Saubere Luft als Menschenrecht
Ein wichtiger politischer Schritt erfolgte im Jahr 2022. Die United Nations General Assembly erkannte in der Resolution 76/300 das Recht auf eine saubere, gesunde und nachhaltige Umwelt offiziell als universelles Menschenrecht an.
Damit wurde ein deutliches Signal gesetzt: Saubere Luft ist kein Luxusgut und auch kein Privileg für wohlhabende Regionen. Sie ist eine grundlegende Voraussetzung für Gesundheit, Lebensqualität und menschliche Würde. Die Atmosphäre verbindet Städte, Länder und Kontinente miteinander. Schadstoffe, die an einem Ort ausgestoßen werden, können durch Wind und Wetter über große Entfernungen transportiert werden und an völlig anderen Orten gesundheitliche Folgen haben.
Saubere Luft ist deshalb keine rein lokale Aufgabe. Sie ist eine globale Verantwortung.
Denn jeder Atemzug ist lebensnotwendig. Und die Luft, die wir alle teilen, sollte uns nicht krank machen. Wir atmen sie gemeinsam ein also tragen wir auch gemeinsam die Verantwortung, sie sauber zu halten.