Klimafreundliche Kreuzfahrt – ein Widerspruch in sich?
Leander Heydenreich
Eine, zwei, oder vielleicht auch drei Wochen lang mit dem Schiff über die Weltmeere reisen, mit Vollverpflegung und einem rundum-sorglos-Packet. Was kann es Besseres geben? Doch diese Art zu Reisen hat ihren Preis: Die Auswirkungen einer Kreuzfahrt auf die Meereswelt und unser Klima sind immens, durch Abgase, Treibstoffrückstände und die umweltschädliche Art der Müllentsorgung. Auch wenn viele Reedereien zunehmend Bemühungen anstellen, ihre Flotte klimafreundlicher zu machen, sind die Umweltauswirkungen nach wie vor erheblich.
Dabei schlagen insbesondere zwei Faktoren zu Buche: der Antrieb des Schiffs und
der Abfall aus Bordgastronomie und Bewirtschaftung.
Schon im Jahr 2015 betrug der Anteil des Hochseeschiffsverkehrs an den globalen
CO2-Emmissionen nach dem ICCT Report aus 2017 mit 932 Mio. Tonnen 2,6
Prozent. Zum Vergleich: das sind über 100 Mio. Tonnen mehr, als Deutschland im
Jahr 2017 emittierte. Wenn politisch nichts dagegen unternommen wird, könnten sich diese Emissionen nach der Third IMO GHG Study aus 2014 bis 2050 um über 250% auf bis zu 2345 Mio. Tonnen erhöhen. Es wird also klar, dass die Suche nach
klimafreundlichen und am besten CO2-neutralen Kraftstoffen und
Antriebsmöglichkeiten dringend ist. Diese Zahlen beziehen sich zwar auf alle Schiffe, doch tragen Kreuzfahrtschiffe trotz ihres geringen Anteils in der weltweiten Schiffsflotte durch den Hotelbetrieb an Bord einen nicht zu vernachlässigenden Anteil daran.
Das NABU-Kreuzfahrtranking untersucht seit 2013 verschiedene Maßnahmen der
einzelnen Kreuzfahrtunternehmen zur Verbesserung der Klimabilanz ihrer Schiffe. So haben sich alle betrachteten Reedereien bis 2050 ein Netto-Null-Ziel auferlegt, es sollen genauso viele Treibhausgase gebunden wie ausgestoßen werden. Am erschreckendsten ist meiner Auffassung nach, dass acht der zwölf betrachteten
Reedereien noch nicht auf den Einsatz von Schweröl verzichten. Dieser Kraftstoff
erzeugt besonders umweltschädlich Abgase, die entweder direkt in die Luft geraten
oder durch Filter zumindest teilweise aufgefangen werden. Und das in Massen: ein
Kreuzfahrtschiff verbraucht pro Tag etwa 150 Tonnen Schweröl! Diese Rückstände
gelangen dann aber oft ins Meerwasser und verunreinigen es erheblich. Der
technisch einfache Umstieg auf weniger schädlichen Marinediesel wurde aus
Kostengründen bisher nicht umgesetzt. Zumindest wird im Hafen von allen
betrachteten Reedereien mittlerweile Landstrom zur Energieversorgung genutzt.
Dies wird sicherlich auch durch die ab 2030 verpflichtende EU-Vorgabe vorangetrieben. Klimakiller Methan – nicht nur CO2 muss vermieden werden
Man setzt in der Kreuzfahrtindustrie auch auf LNG (verflüssigtes Erdgas). Bei der
Verbrennung setzte es weniger CO2 frei, dafür aber deutlich mehr Methan, welches 80-mal so stark wie CO2auf den Treibhauseffekt wirkt. Der Einsatz von eFuels (nicht- naturelle Kraftstoffe) ist kaum verbreitet, da dafür ein ausreichender Markt und adäquate Technologie fehlen. Batterien und Brennstoffzellen werden schon auf vielen neuen Schiffen verbaut, um zumindest einen Teil der Energie liefern zu können. Allerdings kann die aktuelle Technologie noch nicht den Betrieb eines solchen Schiffs voll und ganz sicherstellen. Auch belastet die Kreuzfahrtindustrie marine Ökosysteme durch das Hinterlassen von sogenanntem Nassmüll. Hierzu zählen Speisereste und andere organische Substanzen. Jeder Schiffsreisende verursacht laut einem Bericht der Tierrechtsorganisation PETA pro Tag 2,5 Kilogramm dieses Mülls in Form von Essensresten. Bei 6000 Reisenden auf einem Kreuzfahrschiff ergeben sich so 15 Tonnen über Bord geworfenem Müll pro Tag. Dadurch, dass sich Meereslebewesen davon ernähren, wird das ökologische Gleichgewicht im marinen Ökosystem durcheinandergebracht.
Es gibt aber auch einen Grund zur Hoffnung auf eine baldige Besserung der
Umweltverträglichkeit von Kreuzfahrten: So wurde ab dem 01. Mai 2025 eine
spezielle SECA-Schutzzone in der Nord- und Ostsee eingerichtet. Dort dürfen seither nur noch Kreuzfahrtschiffe verkehren, dessen Kraftstoff maximal 0,1 Prozent Schwefel enthält. Die Ausweitung solcher und weiterer Maßnahmen soll Reedereien dazu zwingen, die eigenen Flotten umwelt- und klimafreundlicher zu gestalten. Letztlich hängt aber der größte Teil der Emissionen nach wie vor vom Konsumverhalten der Reisenden ab. Jede Kreuzfahrt ist schädlich, wirklich klimafreundlich wird es auch in Zukunft meiner Meinung nach nicht gehen. Die eingangs gestellte Frage lässt sich also meiner Auffassung nach klar mit ja beantworten, auch wenn man erkennen muss, dass durchaus Bemühungen unternommen werden.
Ich bin der Überzeugung, dass Menschen viel eher ermutigt werden sollten, andere Möglichkeiten des Reisens zu wählen und ganz und gar auf Kreuzfahrten zu verzichten. Anbei direkt eine Empfehlung meinerseits: Ich reise sehr gern mit dem Fahrrad, da sich so nicht nur touristische Hotspots, sondern auch wunderschöne Landschaften und das alltägliche Leben in einem anderen Land, oder einer anderen Region, im wahrsten Sinne des Wortes erfahren lassen. Besonders zu empfehlen sind hier für den Anfang die Niederlande, einfach aufgrund der perfekten Infrastruktur. Wer es etwas spannender haben will, kann sich auch nach Süd- und Osteuropa trauen.
Mir ist bewusst, dass ich hier eine sehr gegensätzliche Art des Reisens als
potenziellen Ersatz für eine Kreuzfahrt vorschlage, ich bin aber der Überzeugung,
dass jeder zumindest einmal den Versuch unternehmen sollte, aus bisherigen
Gewohnheiten auszubrechen und die Welt ein wenig anders zu entdecken!