Ernährungssicherheit - Small Island Developing States im Fokus
Florentine Fischer
Ozeanische Entwicklungsländer, die sogenannten SIDS, sind konfrontiert mit einer Herausforderung monumentalen Ausmaßes. Denn es stellt sich insbesondere in Zeiten der Klimakrise, von der die SIDS primär betroffen sind, sowie schwankenden Weltmärkten die Frage nach Ernährungssicherheit für die Bevölkerung jener Inselstaaten.
Kern der Diskussion in der ELO wird der Aufbau resilienter Ernährungssysteme für Inselstaaten sein. Die diesjährige Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der MUN-SH
Konferenz ist bestrebt sich dieser Thematik zu widmen, im Besonderen im Hinblick auf das SDG Nr. 2 „Kein Hunger". Mit diesem SDG sowie der Agenda 2030 haben sich die Vereinten Nationen verpflichtet, allen Menschen bis 2030 ganzjährig Zugang zu nährstoffreichen und ausreichenden Nahrungsmitteln zu ermöglichen - ein Ziel, das für SIDS besonders schwer einzulösen ist.
Grund dafür ist in erster Linie die geographische Lage der Small Island Developing States. Durch den Inselstatus sind sie in besonderem Maße vom Klimawandel betroffen, da der ansteigende Meeresspiegel, zunehmende Extremwetterereignisse sowie die Bedrohung für ihre fragilen Ökosysteme, eine außerordentliche Gefahr darstellt. Hinzu kommt, dass es sich im Unterschied zu vielen anderen Inselgebieten bei SIDS um souveräne Staaten handelt, die keinem größeren Festlandstaat angegliedert sind und daher nicht auf dessen Ressourcen und Unterstützungsstrukturen zurückgreifen können.
Ein weiterer Kernpunkt ist die Abhängigkeit von Nahrungsmittelimporten. Landwirtschaft wird durch einen Mangel an Investitionen und Technologien sowie ein gehöriges Immageproblem nur in kleinem Ausmaß betrieben, was zu einer Abhängigkeit von Nahrungsmittelimporten in Verbindung mit internationalen Preisschwankungen führt.
Teilweise sind 90 % der Nahrung Importware und mitunter der Großteil dessen ist stark zucker- oder fetthaltig. Das schafft neue Probleme ... Diabetes, Herz- Kreislauferkrankungen u.ä..., vor allem für einkommensschwache Menschen, die kaum Alternativen haben.
Besonders unter diesem Blickpunkt stellt sich die Frage, inwieweit die Delegationen diesen Problemen Beachtung schenken werden und bereit sind solidarisch zu unterstützen und Sicherheit zu schaffen.
SIDS haben oft nur wenige Wirtschaftssektoren, wie beispielsweise den Tourismus, was sie in Kombination mit der überdurchschnittlichen Gefahr des Klimawandels zudem extrem fragil und zu vulnerablen Staaten macht. Die Konferenz knüpft an eine lange Reihe internationaler Bemühungen an, bei denen zwar grundlegend jene Vulnerabilität und einige Bemühungen für eine nachhaltige Entwicklung, auch in Sachen Ernährungssicherheit, unternommen wurde, jedoch stehen Einigungen über beispielsweise Geldmittel und eine Verbesserung der Dateninfrastruktur noch aus. Denn vielen SIDS fehlen beispielsweise grundlegende, verlässliche Informationen darüber, über welchen Zeitraum eine Resilienz bei einem Importstopp bestünde.
Die Debatten werden zeigen, ob Pläne in finanzierbare Maßnahmen überführt werden und wie fair die Bedingungen für Staaten gestaltet werden können, die zwar als „Länder mit mittleren Einkommen“ gelten, aber gleichzeitig zu den vulnerabelsten Volkswirtschaften der Welt gehören und in diesem Zusammenhang besonders mit der Frage nach Ernährungssicherheit konfrontiert sind. Ob die Delegationen einen gemeinsamen Konsens finden, bei welchem die Beurteilung von Kreditwürdigkeit und Hilfsbedarfen die Vulnerabilität berücksichtigt, bleibt ebenfalls abzuwarten.
Bis zum Auftakt der Debatten bleibt ungeklärt, welche Kompromisse die Delegationen bereit sind einzugehen, damit „Kein Hunger" für Inselstaaten mehr ist als eine Zeile in einer Resolution?
Diese Thematik ist ein Appell an globale Solidarität und verspricht durch die Komplexität schon jetzt ereignisreiche Debatten mit feurigen Diskussionen.