Von “(...)eingeschränkter geistiger Kapazität und fehlenden Kompetenzen im WiSo
Die MUN-SH neigt sich allmählich dem Ende zu, die hitzige Stimmung im WiSo hat jedoch im Kampf um eine Resolution gegen die Verbreitung zoonotischer Krankheiten ihren Höhepunkt erreicht. Einige Delegierte sind erzürnt - sie bemängeln sowohl das Arbeitsverhalten und -kompetenzen der vertretenen Staaten, als auch den Resolutionsentwurf des Vormittags im Allgemeinen.
Über das Arbeitsklima im WiSo sind sich die Delegierten einig: “Es ist schade, dass wir so viele, unproduktive Phasen haben. Oftmals stellen kleinere Staaten, aber auch Staaten generell, quer und behindern die Produktivität extrem - obwohl wir ja alle das gleiche Ziel einer möglichst schnell verabschiedeten Resolution haben!”.
Auch bei meiner Frage, welche Staaten die Verfahren typischerweise blockieren,sind die Delegationen auf demselben Nenner. Vor allem der Irak, welcher sich des Öfteren mit unqualifizierten Kurzbemerkungen und Wortbeiträgen äußert, sei ein enormer Störfaktor und eine Behinderung der Debatte, so die Delegation Armeniens. Auch die Delegation der Vereinigten Staaten stelle sich wegen jeder Kleinigkeit quer - welch Wunder!
Mit der vorerst abgestimmten Resolution zeigen sich die befragten Delegierten ebenfalls sehr unzufrieden: “Ich möchte einmal bemerken, dass wenn man sich den jetzigen Resolutionsentwurf anguckt, der illegale Tierhandel fast gar nicht behandelt wird, wobei sich in der Debatte darauf geeinigt wurde, dass der illegale Wildtierhandel einen viel größeren Beitrag zur Verbreitung zoonotischer Krankheiten liefert. Dennoch wird eigentlich in fast jedem operativen Absatz nur über die Regulierung des legalen Nutztier-Handels geredet(...)oder über nationale Präventionsmaßnahmen, wo ich mich frage wo der Aufschrei der USA bleibt, dass alles viel zu schwammig formuliert wäre(...)" Mit anderen Worten: Der Resolutionsentwurf sei als “(...)juristische Shitshow dieses verkackten Scheiß-Gremiums(...)” anzusehen - das Gremium solle sich “(...)schämen, vor allem nach dem die FfS einen wirklich guten Resolutionsvorschlag vorgestellt hat(...)”.
“Wir wurden gehumbled, jeder einzelne in diesem Gremium wurde gehumbled. Unser Resolutionsvorschlag ist einfach ein schwammiger Haufen Bullshit - ich kann es nicht anders formulieren.(...)”, berichtet der Delegierte Armeniens - sichtlich erbost und emotional aufgeladen.
Auch der Vorsitz geriet in das kritische Visier der mit mir sprechenden Delegierten. Er sei “(...)parteiisch(..)” und habe Gastreden auf Grund persönlicher Präferenzen abgelehnt. Armeniens Delegation betont sein verlorenes Vertrauen in den Vorsitz des Gremiums und in die Vereinten Nationen im Allgemeinen, er sei schockiert über die offensichtliche Parteilichkeit.
Befragt nach konstruktiven Vorschlägen für ein besseres Vorankommen des Gremiums, schlagen die Delegierten das Vorenthalten des Rederechts für die Delegationen des Iraks, der USA, Mexikos und der Bahamas vor - ein durchaus konstruktiver Vorschlag den man definitiv in Erwägung ziehen sollte.
Ebenfalls bemängelt wird die inhaltliche Vorbereitung anderer Delegationen: “(...)Es wird der Eindruck erweckt, dass oftmals nicht richtig zugehört wird und danach trotzdem von bestimmten Delegationen Fragen und Kurzbemerkungen gestellt werden, wo man sich fragt ob diese nicht hinfällig geworden wären, hätten die Delegationen mal richtig zugehört!(...)”, erklärt die Delegation Armeniens. Die Delegation der Côte d’Ivoires weist darauf hin, dass eine bessere Verteilung der Delegationen notwendig gewesen wäre. “(...)Man hätte die großen Delegationen, sprich Industriestaaten wie Japan, Russland oder Deutschland, die in der realen UN relativ viel zu sagen haben, nicht mit Erstis besetzen dürfen. Die Delegationen Deutschlands und Japans haben hier bisher noch nichts gesagt, das kann nicht sein.(...)”
Lob gab es hingegen für die gesamte Delegation der USA, die ihren Job zwar “(...)sehr nervig, aber sehr gut macht(...)”- ein Lob, dem auch ich nur zustimmen kann.
Doch die kurze Welle der Positivität währte nicht lange - besonders negativ hervorgehoben wird nun das Arbeitsverhalten eines Großteils des Gremiums. Zwei Drittel des Gremiums sei "(...)frustriert(...)" und habe “(...)einfach keinen Bock mehr(...)” - die Debatte sowie der seelische Frieden der restlichen Delegierten würden dadurch erheblich gestört. Besonders die Arbeitsmoral einiger Delegierter wird mir dargelegt, es sei “(...)mittlerweile ein Punkt erreicht, wo man sich umguckt und sich fragt, was eigentlich abgeht. Die Hälfte des Gremiums ist auf dem Klo und frisst die neunte Banane, die andere Hälfte ist auf TikTok oder shoppt.(...)”, erläutert der Delegierte Kameruns - ein gewisser Frust ist definitiv herauszuhören.
Musikalische Unterhaltung darf natürlich auch in der Regel nicht zu kurz kommen, hat aber im WiSo nicht wirklich etwas zu suchen, findet der Delegierte Armeniens: “(...)Wenn man sich in der WiSo-Versammlung umguckt und Leute AirPods drin haben, stellt sich mir die Frage ob der Sinn der Debatte dann nicht einfach komplett verfehlt ist und die dann nicht einfach den Raum verlassen können(...)”. Dabei ist die musikalische Untermalung bei einer Tragödie doch eigentlich ein Muss! Non? Die Kritik an der Arbeitsmoral der Restdelegierten schreitet fort. Während die Delegation Iraks “(...)Raucherpause macht(...)” und Japan da “(...)mit AirPods sitzt und scrolled(...)” wächst der Frust bei den wirklich arbeitenden Delegationen von Minute zu Minute. “Noch ein Antrag auf eine informelle Sitzung und ich gehe Crashout.”, bemerkt der Delegierte Armeniens - die Augen schon beinahe mit Tränen gefüllt.
Und was macht die Gremienberatung währenddessen so? Anscheinend hinten sitzen und sich einen Schluck Mate genehmigen, obwohl den Delegierten mitgeteilt wurde, nur Wasser trinken zu dürfen. Naja, Ehre wem Ehre gebührt. Oder so.
Abschließend lässt sich also ein gewisser Frust aus den Reihen der wirklich mitarbeitenden Delegationen verspüren - vielleicht, nur so als Hinweis, macht man sich vor der nächsten Konferenz, gebührend Gedanken, ob man das Scrollen vielleicht aufs Bett oder auf den Mathematikunterricht in der Schule beschränkt, das Musik- oder Podcasthören auf langwierige Bahnfahrten und das Rauchen auf abendliche Veranstaltungen oder Mittagspausen, bevor man damit Verhandlungen verlangsamt oder das Arbeiten anderer behindert.
Mit diesen Worten wünsche ich noch einen wunderbaren Ausklang der MUN-SH 2026 und eine Menge positiver Energie für die kommenden Wochen.