Stillstand im WISO

Elisabeth Neumann

Hat der Irak nichts Besseres zu tun? – Zwischen Tierhandel und Tagesordnung

Es war ursprünglich alles angerichtet für eine produktive Sitzung im WISO. Die Debatte versprach, eines der drängendsten globalen Probleme anzugehen: die Eindämmung zoonotischer Krankheiten durch Regulierung des internationalen Tierhandels. Ein Thema, das gleichermaßen die Entwicklungsländer und Industriemächte interessieren müsste. Doch statt fokussierten und konstruktiven Diskussionen verloren sich einige Staaten in Kleinigkeiten, Geschäftsordnungsanträgen und Fragen, die, so wird unter den Delegierten gemunkelt, mit dem eigentlichen Problem nichts zu tun hatten.

Während Kanada und Pakistan mitsamt einiger Unterstützerstaaten geduldig darauf warteten, ihre jeweiligen ausgearbeiteten Resolutionsentwürfe vorzustellen, schienen andere Staaten, insbesondere der Irak, andere Prioritäten zu haben. Anträge über Redezeit und formale Details häuften sich und blockierten so jeglichen Fortschritt. Die eigentliche Debatte? Fehlanzeige…

Als schließlich selbst die Geduld der Delegation Kanadas am Ende war, verließ diese demonstrativ den Raum; ein stiller, jedoch deutlicher Protest gegen das endlose Gerangel um Formalitäten. Ohne die Delegation Kanadas, welche im weiteren Sitzungsablauf den eigens erstellten Resolutionsentwurf vorstellen sollte, kam die Sitzung praktisch zum Stillstand. Kurz darauf folgte Pakistan, gefolgt von mehreren Unterstützerstaaten, die genug von Anträgen ohne Inhalt und Fortschritt hatten. So wurde diplomatisch verdeutlicht, dass Stillstand manchmal sogar lauter spricht als jede noch so „sinnvolle“ Wortmeldung. Erst als sich das Komitee notdürftig auf eine informelle Sitzung einigte, offenbar der kleinste gemeinsame Nenner, nahmen sich Kanada und Pakistan, sowie einige Unterstützerstaaten, der „Debatte“ wieder an. Nicht aus neuer Begeisterung, sondern weil sonst gar nichts mehr möglich gewesen wäre.

Nach Stunden, einer Mittagspause und reichlich Nervenarbeit wendet sich das Komitee nun endlich dem pakistanischen Entwurf zu. Endlich geht es wieder ums Thema, zumindest ansatzweise. Die Delegierten beraten operative Maßnahmen, und es ist spürbar, dass sich trotz allem etwas bewegt. Der Wille, das Ruder noch herumzureißen, ist greifbar.

Am Ende bleibt der Eindruck eines Gremiums, das sich, nach viel Papierkrieg und Geduldsprobe, doch wieder dem widmet, worum es eigentlich geht.

Die Frage bleibt jedoch: Wie soll man zoonotische Krankheiten eindämmen, wenn das größte Hindernis offenbar die Geschäftsordnung ist?

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