Diplomatie auf US-Art
Johanna von Kirchbach
Mit ihren roten MAGA-Kopfbedeckungen, ständigen Geschäfts-, oder auch persönlichen Anträgen, und ihrer großen “Diskussionsfreudigkeit” sind sie uns allen vermutlich schon aufgefallen: die Delegierten der Vereinigten Staaten.
Nationalstolz und Wohlwollen gegenüber der Russischen Föderation wird bei ihnen großgeschrieben, ihre Verhandlungsbereitschaft gegenüber Inselstaaten befindet sich hingegen eher im Kleingedruckten.
Doch was motiviert die US-Delegation, Tag für Tag aufzustehen? Wie weit reicht die Begeisterung für die Vereinigten Staaten und wie bereitet man sich darauf vor, das “heißeste Land der Welt” zu repräsentieren? Um diesen Fragen nachzugehen, habe ich mich auf die Suche nach einem starken Vertreter der Vereinigten Staaten gemacht - fündig geworden bin ich in der Umweltversammlung.
Meiner Anfrage nach einem sehr spontanen Interview kam der Delegierte der Vereinigten Staaten freudig nach. Ebenso bereitwillig beantwortete er meine erste Frage: Wie sieht eine klassische Morgenroutine eines US-Delegierten aus?
“Man muss sich natürlich gebührend darauf vorbereiten, die Vereinigten Staaten zu vertreten. Deshalb wird einigermaßen lange ausgeschlafen, auf den letzten Drücker noch schnell geduscht, sich angezogen und gefrühstückt (...) bevor es dann zum Landtag geht.”, gibt er bereitwillig Auskunft.
“Gibt es für Sie ein Mantra, welches Sie täglich aufsagen, bevor Sie Ihren Tag beginnen? Beispielsweise vor dem Spiegel?", lautet meine nächste Frage.
Die Antwort ist schlicht und einfach: “Ja klar. Meistens einfach ‘America: Fuck Yeah’.” Mit diesem Mantra kann der Tag ja nur gut starten! Für einen wirklich gelungenen Sitzungstag braucht es aber natürlich noch ein gutes Frühstück - der US-Delegierte hegt eindeutige Präferenzen: “Man kann sich in unserem Hotel zum Glück (...) Waffeln machen. Die sind, um ehrlich zu sein, eher mittelmäßig - aber Waffeln sind Waffeln(...)Dazu gibt es dann noch Ahornsirup. (...) Kanada ist ja quasi der einundfünfzigste Bundesstaat, das ist dann auf jeden Fall solidarisch und schmeckt auch noch besser.”
Nach diesem ausgewogenen Frühstück - bei dem die obligatorische Prise Imperialismus natürlich nicht fehlen darf - geht es für den Delegierten dann auch schon zum Landtag. Wie er dorthin kommt?? “Die Delegation der Vereinigten Staaten ist enttäuscht, dass das Budget dann doch (...) ein bisschen knapp geworden ist. Deshalb fällt die Limousine dieses Jahr aus und es musste die Sozialraupe, der Bus, genommen werden.”, legt der Delegierte der Vereinigten Staaten offen. Bus fahren, und dann auch noch in Kiel - das grenzt schon fast an eine Heldentat der US-Delegation.
Zu guter Letzt bitte ich ihn, die gesamte US-Delegation in drei Worten zu beschreiben. Für diese Antwort nimmt der Delegierte sich besonders viel Bedenkzeit, seine Antwort ist dafür mal wieder auf den Punkt gebracht: “Fake, divers und überlegen.”
Fast möchte ich mich schon bedanken und das Interview beenden, da fällt mir noch eine letzte Frage ein. “Möchten Sie den Lesenden noch etwas mitgeben? Eine persönliche Botschaft oder eine aus US-amerikanischer Perspektive?“ Der Delegierte zögert einen Moment. “‘Beugen Sie sich dem Willen der Vereinigten Staaten. Ansonsten wünscht die Delegation der Vereinigten Staaten weiterhin viel Spaß und gute Debatten.”
Dem kann ich nichts mehr hinzufügen. Also: Weiterhin viel Spaß und gute Debatten!